vorherige

morphorm

Martin Schatz
Prenzlauer Allee 193
10405 Berlin

Telefon: +49 30 2241 4968

Glückskekse aus Porzellan?

Chinesische Glückskekse aus Porzellan herzustellen scheint zunächst absurd. Kekse soll man doch eigentlich essen und Porzellan nicht zerbrechen.

Oder vielleicht docht? Gibt es nicht in Deutschland das Sprichwort: “Scherben bringen Glück”?
Heist nicht das englische Wort für Porzellan auch “china”? Und mal im ernst: Sind die Kekse eigentlich wirklich so lecker, oder ist es nicht vielmehr das Zerbrechen und der verheißungsvolle Spruch im inneren der uns so reizt? Eines ist jedoch sicher: Der Moment des Zerbrechen wird durch die Überführung des Glückskekses in ein anderes Material um ein vielfaches gesteigert.

Man zerbricht nicht mehr nur ein Stück Teig,
sondern feinstes Porzellan!



Doch durch diesen Transformationsprozess geschieht noch viel mehr. Der Glückskeks, ein Produkt, dass aus der chinesischen Kultur heraus entsprungen ist und sich im Amerika der 60er Jahre in Chinatown zum Massenprodukt entwickelt hat, wird nun plötzlich in Deutschland aus feinstem Feldspat Porzellan in Handarbeit hergestellt: \\\\"handmade with china in germany\\\\"!

Aber ist das nicht heutzutage eigentlich umgekehrt? Lassen nicht die Deutschen ihre kostbaren Warengüter (für wenig Geld) in China herstellen? Oder wird sich diese Entwicklung in Zukunft vielleicht wieder umkehren? Wer weiß!

Jedenfalls kann der Porzellan Glückskeks eine Brücke schlagen zwischen der chinesischen und der deutschen Kultur. So gibt es zum Beispiel in Deutschland den Brauch, am Abend vor einer Hochzeit den so genannten Polterabend zu feiern. Dabei werden bisweilen Unmengen an altem Porzellan zerbrochen.
Ich selbst war Zeuge eines solchen Polterabends in meinem Geburtsort: Dort war unsere ganze Straße voll mit Scherben und für uns Kinder war das damals sehr gefährlich. Wahrscheinlich sagt man sich, dass diese Unmengen an Scherben dem Hochzeitspaar auch Unmengen an Glück bescheren würde.

Sehr viel nachhaltiger und vor allem auch billiger wäre es, wenn man sich beim zelebrieren des Polterabends auf Qualitäten der chinesischen Kultur besinnen würde und diese mit jenen der deutschen Kultur vermischt. Statt ganze Service und Klo-schüsseln auf der Straße zu zerdeppern langt es dann vielleicht künftig schon, wenn das Hochzeits-paar und deren Gäste jeweils einen Glückskeks aus Porzellan zerbrechen würden.

Und dabei hat man gleich noch einen weisen Spruch mit auf den Weg bekommen!

DESIGNER-LOGIN